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Behandlungspreise in der Schweiz richtig kalkulieren
Business & Recht

Behandlungspreise in der Schweiz richtig kalkulieren

Stundensatz, Materialkosten, Marge: So kalkulierst du Kosmetikpreise in CHF, die deine Kosten decken und trotzdem konkurrenzfähig bleiben.

„Ich habe drei Jahre lang zu billig gearbeitet, ohne es zu merken." Diesen Satz hört man in der Schweizer Beauty-Branche öfter, als man denkt. Viele übernehmen einfach den Preis der Nachbarin, ohne je durchgerechnet zu haben, was eine Stunde im eigenen Studio wirklich kostet. Dabei ist eine saubere Kalkulation kein Hexenwerk - sie braucht nur vier Zahlen und eine Stunde Ruhe.

Schritt 1: Deinen echten Stundensatz kennen

Bevor du einen einzelnen Preis festlegst, musst du wissen, was eine Behandlungsstunde kostet. Addiere alle Fixkosten pro Monat - Miete, Versicherungen, Strom, Software, dein Zielgehalt - und teile sie durch deine tatsächlich verrechenbaren Stunden. Wichtig: Nicht jede Arbeitsstunde ist verrechenbar. Reinigung, Buchhaltung und Pausen fressen oft 30 bis 40 Prozent.

  • Fixkosten/Monat: Miete CHF 1'800, Versicherungen CHF 150, Software CHF 80, Übriges CHF 400.
  • Zielgehalt: CHF 6'000 brutto inkl. Sozialabgaben.
  • Verrechenbare Stunden: bei 160 Arbeitsstunden realistisch rund 100.
  • Ergebnis: (1'800 + 150 + 80 + 400 + 6'000) / 100 = CHF 84.30 pro Stunde als Mindestsatz.

Schritt 2: Materialkosten pro Behandlung

Rechne pro Behandlung, was an Produkten, Einwegmaterial und Wäsche draufgeht. Bei einer Gesichtsbehandlung sind das schnell CHF 8 bis CHF 15, bei einer Wimpernverlängerung mit hochwertigem Kleber und Wimpern auch mal CHF 20. Diese Kosten kommen auf den Stundensatz obendrauf, sie sind nicht Teil der Marge.

Schritt 3: Den Verkaufspreis bilden

BehandlungDauerZeitkostenMaterialPreis CHF
Gesichtsbehandlung60 MinCHF 84CHF 12129.00
Wimpernverlängerung120 MinCHF 168CHF 20219.00
Maniküre45 MinCHF 63CHF 889.00

Die Spanne zwischen Selbstkosten und Verkaufspreis ist deine Marge - dein Puffer für ruhige Wochen, Investitionen und Wachstum. Ein Aufschlag von 20 bis 35 Prozent über den reinen Selbstkosten ist in der Schweiz üblich und nötig.

Praxis-Tipp: Runde Preise psychologisch sinnvoll. CHF 129 wirkt deutlich anders als CHF 130, obwohl der Unterschied minimal ist. Krumme Selbstkosten gehören geglättet, nicht eins zu eins weitergegeben.

Schritt 4: Marktvergleich, aber richtig

Den Markt zu beobachten ist sinnvoll, ihn blind zu kopieren gefährlich. Schau dir an, was Studios bei der Suche nach Kosmetikstudios in Zürich oder Wimpernbehandlungen in Basel verlangen - aber nur, um deinen kalkulierten Preis einzuordnen, nicht um ihn zu unterbieten. Wenn dein sauber gerechneter Preis über dem Marktschnitt liegt, ist das ein Signal, deinen Mehrwert besser zu kommunizieren, nicht deine Marge zu opfern.

Schritt 5: MWST nicht vergessen

Sobald du über CHF 100'000 Jahresumsatz liegst, kommt die MWST von 8.1 % ins Spiel. Plane sie früh in die Preisstruktur ein, damit du sie nicht später aus der Marge nachzahlen musst. Ein Buchungssystem, das Umsätze pro Leistung erfasst, macht das transparent - vergleiche dazu die Preismodelle und richte deine Kasse so ein, dass jede Behandlung sauber verbucht wird.

Preise erhöhen, ohne Kundschaft zu verlieren

Wer jahrelang gleich kalkuliert hat, muss irgendwann anpassen - Miete und Produktkosten steigen schliesslich auch. Eine Erhöhung von fünf bis acht Prozent verkraftet eine zufriedene Stammkundschaft fast immer, vor allem wenn du sie ankündigst und begründest. Heikel wird es nur, wenn du jahrelang gar nichts tust und dann auf einen Schlag zwanzig Prozent draufschlägst. Kommuniziere die Anpassung freundlich, etwa drei bis vier Wochen vorher, und verknüpfe sie wenn möglich mit einer sichtbaren Verbesserung - hochwertigere Produkte, mehr Zeit pro Termin oder ein angenehmeres Studioambiente. So fühlt sich der neue Preis nach Mehrwert an, nicht nach Verlust.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Kosmetikerin?
Addiere alle monatlichen Fixkosten plus dein Zielgehalt und teile die Summe durch deine tatsächlich verrechenbaren Stunden. Rechne nur mit 60 bis 70 Prozent deiner Arbeitszeit als verrechenbar, weil Reinigung und Administration Zeit kosten.

Wie viel Marge ist in der Schweiz üblich?
Als Erfahrungswert sind 20 bis 35 Prozent Aufschlag über den reinen Selbstkosten angemessen. Diese Spanne deckt ruhige Wochen, Investitionen und Wachstum ab - ohne sie arbeitest du faktisch ohne Sicherheitsnetz.

Soll ich mich an den Preisen der Konkurrenz orientieren?
Nur zur Einordnung, nicht als Vorgabe. Wenn dein kalkulierter Preis über dem Marktschnitt liegt, kommuniziere deinen Mehrwert besser, statt die Marge zu unterbieten und langfristig draufzuzahlen.

Muss ich die MWST in den Preis einrechnen?
Sobald dein Jahresumsatz CHF 100'000 übersteigt, ja. Plane die 8.1 % von Beginn an ein, damit du sie nicht nachträglich aus deiner Marge finanzieren musst.

Fazit

Ein guter Preis ist kein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis von vier Zahlen: Fixkosten, Stundensatz, Material und Marge. Wer so kalkuliert, arbeitet profitabel statt nur beschäftigt. Mit einem System, das jede Leistung sauber erfasst, behältst du Kosten und Umsatz im Griff - dabei unterstützt dich Beautinda Tag für Tag.

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